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Geschichte - Evangelische Pfarrgemeinde Amstetten - Waidhofen/Ybbs

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Geschichte


Unsere Region hatte im Prinzip denselben geschichtlichen Hintergrund wie die meisten Gebiete in Niederösterreich. Im 16 Jh. waren fast alle evangelisch. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 durften die Landesfürsten die Religion bestimmen und die Rekatholisierung begann in unserem Gebiet. u.s.w.


Aber einiges war doch
etwas anders und ist daher interessant!


Der Augsburger Religionsfrieden, der die konfessionelle Spaltung besiegelte, überließ es dem Landesherrn, die Religion in seinem Land zu bestimmen. Und das bekamen auch, wie es das Bild im Museum zu Waidhofen an der Ybbs zeigt und es in den Ratsbüchern zu lesen ist, die lutherischen Stadträte Waidhofens zu spüren.

Eine Gegenreformationskommission des Kaisers verurteilte den gesamten Stadtrat am 9. Mai 1588 öffentlich am Stadtplatz zum Tode und begnadigte ihn zugleich bei einer Bußgeldzahlung von 32.000 Talern.


Nur der Stadtschreiber Wolf Ebenberger, der 1533 gewählte Führer der Evangelischen, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und starb im Turmverlies des Schlosses.

Ein trauriges Ende für eine starke Bewegung.

Die Ausbreitung des Protestantismus

Der Protestantismus kam aufgrund der intensiven Handelsbeziehungen Waidhofens mit wichtigen, der Reformation aufgeschlossenen Städten Deutschlands schnell auch in diese Region.
Bereits 1525 scheinen zwei reiche Bürgersöhne als Studenten der protestantischen Universitätshochburg Wittenberg auf.
Einer davon ist Paul Rebhuhn. Er wurde um 1500 in Waidhofen an der Ybbs geboren. Ein Gassennamen erinnert noch an den Sohn eines Rotgerbers. Auf welchem Weg er um 1520 nach Wittenberg kam und ein Freund Luthers und seiner biblischen Lehre wurde, ist unklar. Fest steht jedoch, dass er als Schulmeister ein typisch biblisches Drama schrieb: "Ein Geistlich Spiel von der Gottesfürchtigen und Keuschen Frauen Susanna" (Reclam Nr. 8787/88). Am 30. Mai 1538 wurde er von Martin Luther zum evangelischen Pfarrer ordiniert. Er starb im Jahre 1546 als Superintendent in Oelsnitz in Sachsen.


Die Verbreitung evangelischer Ideen und Gedanken erfolgte aber auch unter den Arbeitern - und hier vor allem unter den zahlreichen aus Deutschland einwandernden Eisenarbeitern - sie wurden die Keimzelle des Protestantismus in der Region. Das fiel umso leichter als der zuständige katholische Bischof, der Bischof von Freising, außer Landes und in höchstem Maße unbeliebt war.
So konnte der Waidhofner Stadtrat die Macht in seinen Händen bündeln. Er konfiszierte das katholische Kirchenvermögen und setzte Laien als Verwalter der Besitzungen ein.

Die Bürgerspitalkirche wird evangelisch

Im Zuge dessen wurde auch die Bürgerspitalkirche "evangelisch" - im Jahre 1560 wird hier die Messe abgeschafft und der lutherische Gottesdienst eingeführt. Namhafte evangelische Geistliche dieser Zeit sind Prädikant Oswald und Pfarrer Edlinger.
Immer wieder werden katholische Geistliche nach Waidhofen gesandt um nach dem Rechten zu sehen und das Volk von ihrem "ketzerischen Abfall" zu bekehren. Aber viele dieser katholischen Priester nutzten die Gelegenheit, heirateten und konvertierten zum Protestantismus. Der mächtige Stadtrat tat das seine dazu die Evangelischen zu fördern.


Die Gegenreformation

Zumindest bis zum Jahre 1586 - da erschien die erste kaiserliche Kommission in Waidhofen. Diese konnte, da sich auch die Bürger und Bewohner der Stadt hinter den Rat und die evangelischen Prediger stellten, aber nichts ausrichten und zog wieder ab.
Erst eine weitere Kommission im Jahre 1587 konnte den Rat durch eine List zu Fall bringen und ihn schliesslich seiner Privilegien und seines Einflusses berauben.
Wie oben bereits zu lesen war, bezahlte mancher auch mit seinem Leben für seine evangelische Überzeugung.
Der erzwungene Wegzug vieler fleißiger und einflussreicher WaidhofnerInnen schädigte die Region nachhaltig.

Geheimprotestantismus im Mostviertel

Auch eine Geheimprotestantin, Frau Rosina Steinauer, von der bis heute noch einiges bekannt ist, gab es in unserer Gegend. Sie lebte als Bäuerin am "Reicherlgut" im heutigen Baichberg (Gemeinde Sonntagberg) und wurde von ihrem Vater an einen protestantischen Knecht verheiratet, damit sie ungestört ihrem damals verbotenen Glauben nachgehen konnte. Nach dem Toleranzpatent, das Josef II. im Jahre 1781 erließ, erfuhr sie, dass in der kleinen Gemeinde Neukematen in Oberösterreich Evangelische zum Gottesdienst zusammen kamen. Trotz hohen Alters ging sie Sonntag für Sonntag 45 km zu Fuß, um mit ihren Glaubensgenossen gemeinsam den Gottesdienst zu feiern.


Evangelische Neuzeit

Durch die beginnende Industrialisierung kamen immer mehr Protestanten in unsere Region und so wurde 1877 eine Pfarrgemeinde in Steyr gegründet, von wo aus auch Waidhofen mitbetreut wurde. Etwa gleichzeitig wird auch die Amstettener und Scheibbser Pfarrgemeinde von St. Pölten aus betreut. Die Lunzer Evangelischen gingen damals. z.B. alle drei Monate nach Weyer zum Gottesdienst - heute mit dem Auto eine gute Stunde Fahrt.


Unsere Gemeinde Amstetten wurde am 18. April 1922 vom Oberkirchenrat als Evangelische Pfarrgemeinde A. und H.B. genehmigt. Die Waidhofener kamen erst 1948 von Steyr zu Amstetten. Trotz unserer Diasporasituation - oder vielleicht gerade deswegen - haben wir einen guten Zusammenhalt und versuchen unser evangelisches Gedankengut und Glaubenspotential im Alltag einzubringen.



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